MEINE VERRÜCKTE STORY

Diese verrückte Geschichte fängt eigentlich ganz "NORMAL" an,
 aber...
Doch lasse ich hier am besten mal meine Eigner erzählen

Aller Anfang ist ???
Ich sitze in meinem Reisebüro, als ein grossgewachsener Kerl - der mir hin und wieder behilflich bei meinen EDV-Problemen ist - reinstürzt und mich fragt: "Willst Du mich heiraten?" "OK" meine Antwort "aber nur, wenn Du einen amerikanischen Pass besitzt." Habe ich doch immer noch die geheime Hoffnung, einmal in die Staaten auszuwandern, mir eine Blockhütte irgendwo in Oregon zu bauen und ein gemütliches Bed & Breakfast aufzuziehen.

Nun kommt aber alles ganz anders. Der Kerl von vorhin lässt nicht locker, was mich eigentlich nicht sonderlich stört. Kurze Zeit später verbringen wir ein paar Tage an einem Schweizer See und überlegen uns, wie wir unsere Hobbies, das Gleitschirmfliegen und Reiten wohl auf einen gemeinsamen Nenner bekommen. Als gerade in diesem Moment ein Segelschiff an uns vorbeizieht, wird die Idee geboren! Wir lernen zu Segeln. Ich stelle mir idyllische Urlaube im Mittelmeer vor und will schon von meinem Törn, den ich Jahre zuvor unternahm, vorschwärmen, als er meint "Für eine Weltumsegelung benötigen wir aber ein sehr stabiles Schiff."! Das war 1998.



In den darauf folgenden zwei Jahren erlangen wir beide den Hochsee-Schein und schauen uns immer wieder nach einem Gebrauchtboot um. Eine Stahlyacht soll es sein, Slup, Langkieler, Stehhöhe, viel Stauraum, Riesentanks und vieles mehr. Bootsmessen werden besucht, Yachtzeitschriften und -bücher verschlungen, im Internet gesurft und im August 2000 stossen wir dann auf ein in Rhodos auf Trockenslip gelegtes 20-jähriges Stahlschiff - die Witch.

Nervös wie kleine Kinder vor ihrem ersten Schultag machen wir uns auf den Weg nach Griechenland, um sie zu begutachten. Da steht sie in ihrer vollen Grösse, rostig und verlassen. Der Rumpf und die Aufteilung gefallen uns von Anfang an, aber bei näherer Inspektion wird uns bald klar, dass in dieses Schiff enorm viel Arbeit investiert werden muss. Sind wir dazu wirklich bereit, zumal sie noch weit weg von zuhause steht?

 

die Entscheidung

Ja, wir sind es und einen Monat später befreien wir die Witch von sehr viel Ballast , um nach einer Woche in Richtung Marmaris, Türkei überzusegeln. Dort haben wir nämlich eine Werft gefunden, die einen sehr guten Eindruck auf uns macht, und die wir beauftragen, einige dringend notwendige Arbeiten an ihr auszuführen. Der Rumpf muss sandgestrahlt, ausgebessert und gemalt werden. Das Cockpit benötigt eine neue Verschalung, die Bilge und der ganze Innenrumpf wird ausgebessert , der Motor überholt und der Motorenraum gereinigt und isoliert, die Scheuerleiste erneuert und vieles mehr. Wir schliessen mit dem Werftmanager einen 5-seitigen Vertrag ab über die auszuführenden Arbeiten. Das Sandstrahlen wird noch während unserer Anwesenheit in Marmaris erfolgreich von einem normalerweise nur für die Marine tätigen Unternehmen zu Ende geführt und so verlassen wir unsere Witch im guten Glauben, sie in fachmännischen Händen zu lassen.
Hin und wieder erhalten wir via E-Mail Informationen über den Stand der Revision mit der gleichzeitigen Bitte, Geld zu schicken. Und im Mai des darauf folgenden Jahres ist es dann soweit. Wir können endlich unser "neues" Schiff besichtigen gehen. Ein warmes Willkommen von den Werftleuten kann unsere Nervosität nicht mindern und als es dann fast schon dunkel ist, "lässt" man uns zu unserem Schiff, nicht ohne uns vorher zu avisieren, dass es besser sei, wenn wir die ersten 2-3 Nächte im Hotel verbringen würden.


Von aussen begrüsst uns eine neu grundierte, strahlende Witch, aber das ist dann schon ziemlich alles. Von den beauftragten und natürlich bereits bezahlten Arbeiten sind so cirka die Hälfte erledigt und davon muss einiges nochmals neu gemacht werden. Es beginnen unsere wohl anstrengendsten 3 Wochen Urlaub. Leider hat sich einmal mehr herausgestellt, dass man keine - auch nicht die kleinste - Arbeit ohne eigenes Dabeisein beauftragen darf. Tröstlich in dieser Zeit sind uns die Bekanntschaften mit anderen, versierteren Bootsbesitzern, denen in ihrer Vergangenheit ähnliches widerfahren ist. Jedenfalls arbeiten wir bis zum letzten Tag im Schweisse unseres Angesichts. Nicht ein einziger Segeltag ist uns vergönnt, aber das sollte noch kommen. Jedenfalls sind wir bemüht, die Albatros Marina so schnell wie möglich zu verlassen und die miserablen Erfahrungen mit ihr schnell zu vergessen, was gar nicht so einfach ist, zumal bei den folgenden Arbeiten deren Pfusch immer mehr zu Tage treten soll.Zurück in der Schweiz entscheiden wir, die Witch von Grund auf restaurieren zu lassen. Nach den in der Türkei gemachten Erfahrungen stellt sich nun natürlich die Frage, wo und von wem.

es geht vorwärts

Im Herbst desselben Jahres treffen wir durch einen grossen Zufall an der Interboot in Friedrichshafen die uns bis dahin noch unbekannte ehemalige Eignerin der Witch. Und wiederum durch sie lernen wir Heiny Bertschi, Inhaber der gleichnamigen Petroleum Ofen-Firma kennen. Und schon bald entschliessen wir, ihm unsere Witch zur Überholung anzuvertrauen. Inzwischen haben wir unsere Yacht in einem 3,5 Wochen Törn von Marmaris nach Sta. Margerita, Spanien verlegt. Eine Überfahrt, bei der uns weder Sturm noch Flaute erspart blieben.

Zehn Monate später wird die Witch per LKW nach Höri, bei Zürich, in Bertschi`s Halle transportiert. Um uns nicht zu wiederholen und den Leser zu langweilen, verlieren wir hier nur ein paar wenige Worte: auch alles nur Schein und Geldkassiererei ohne Gegenleistung!
Und wieder geht die Suche nach einer geeigneten Werft los.


Durch das eidg. Seeschiffahrtsamt sind wir auf den Schiffsbau-Ingenieur Jonas Panacek gestossen, der eine Firma im Turbenthal für den Umbau empfahl.
Und die Gespräche gingen wieder los. Natürlich waren wir inzwischen entsprechend skeptisch und haben alles und jeden hinterfragt. Jonas Panacek konnte uns jedoch überzeugen und so verschoben wir die Witch, oder was nach der zerstörerischen Arbeit von Bertschi noch übrig war ein weiteres Mal in eine neue Werft.

der Aufbau beginnt

Und dann ging alles sehr schnell. Das Schiff, kaum dort angekommen, wurde auf ein Minimum, sprich cirka 1.50m über dem Kiel  reduziert, und halbiert, 1.50m verlängert und innen total neu aufgebaut. Da kamen wir und unser Schiffsingenieur manchmal ins Schwitzen, um mit dem Umbautempo Schritt zu halten. Doch wir durften nach Langem wieder ein positives Gefühl haben – endlich wurde die Witch aufgebaut und nicht nur abgerissen.

Nachdem so ziemlich alle Schweissarbeiten erledigt waren, liessen wir das Schiff noch einmal innen und aussen sandstrahlen. Und dann hiess es, vier Tonnen Sand wegzuschaffen und das innert nützlicher Frist, weil wir ja rasch möglichst mit den Malerarbeiten beginnen mussten, um ein erneutes Rosten zu verhindern. Wir hatten uns entschlossen, zuerst eine Schicht Zinkstaub-Farbe aufzutragen. Wenn die am Schiff so hält wie an Haut und Haaren, dann sollten wir die nächsten Jahre wirklich Ruhe haben. Und jetzt wurde gerollt und gesprayt, Lage um Lage, bis sie in ihrem neuen Kleid erstrahlt.
Endlich mal keine graue Maus mehr. Auch mussten noch 5500 kg Blei in den Kiel. Dieses besassen wir in Barenform, welche wir in den Kiel einlegten und mit Bitumen ausgossen.
Währenddessen an der Witch eifrig gearbeitet wurde, mussten wir uns bereits wieder Gedanken machen, wo ihre nächste Station sein soll. Auf Empfehlung sind wir auf die Bootswerft Probateaux in Mulhouse aufmerksam geworden. Nach ein paar Gesprächen mit dem Senior- und Junior-Chef Ott sind wir uns einig. Sobald die Witch wassertauglich ist, wird sie an ihre nächste Destination in Frankreich gefahren. Hoffentlich der letzte Landtransport! Zeitpunktmässig sollte dies im August/September passieren. Und dann ist erst Mal Pause, bis wir uns an den Innenausbau machen werden.

sie kommt ins Wasser

Tatsächlich, wir schaffen es, die Witch am 01. September 2005 an ihren neuen Standort in Mulhouse zu verfrachten. Ein spannender Moment, als sie endlich wieder Wasserberührung hat. Ist sie dicht, liegt sie gut?? Und tatsächlich, sie schwimmt und das auch noch gerade. Natürlich mit einer noch zu hohen Wasserlinie, da sie ja innen ziemlich leer ist. Nun fällt uns ein riesengrosser Stein vom Herzen und wir freuen uns, die Witch endlich wieder in ihrem Element zu sehen.


Wir beschliessen als nächstes das Anbringen von Bug-, Heckkorb und Geräteträger in Auftrag zu geben. Dies ermöglicht es uns dann später auch, das Schiff besser abzudecken.
Zudem bestellen wir das Isolationsmaterial, einen PE-Schaumstoff von Gaugler und Lutz. Das wird dann auch unsere nächste Arbeit sein. Platten schneiden und anleimen.

der Innenausbau beginnt

Nachdem die Isolation endlich fertig verklebt ist, eine schrecklich aufwändige Arbeit, geht es weiter mit der Planung der elektrischen Installationen. 
Dabei werden wir mit wertvollen Informationen von der Firma  NAUTICTRONIC unterstützt, die wir bestens empfehlen können. Wir kaufen kilometerweise Kabel, Schläuche und was es sonst noch so braucht. 
Zwischenzeitlich verlegen wir unser Schiff noch etwas näher nach Basel. In der Nähe der Peugeot-Werke gibt es einen Ort wo wir mehr Platz zum Werken haben. Auch können wir dort unsere Ware besser deponieren.Seit längerem machen wir uns Gedanken bezüglich des Innenausbaus. Offerten bei Schreinereien sind preismässig einfach nicht akzeptabel. Wir stossen dann aber auf einen gelernten Schreiner aus Deutschland, der sich bereit erklärt, tatkräftig beim Innenausbau mitzuhelfen.

Wir kaufen Eschenholz Baumstämme für die Wägerungen, diese müssen dann geschnitten, geschliffen und lackiert werden. Wieviel Holz so ein Boot „fressen“ kann! Für die Möbel nehmen wir  Birkensperrholz und für die Decke ein speziell leichtes Material namens Koemacel. Das sind Integralschaumplatten.
Die nächste Pendenz auf unserer Liste ist der Motor. Da unser Schiff ja am Ende einige Tonnen mehr auf die Waage bringen wird, entschliessen wir uns, auch aus Sicherheitsgründen, einen stärkeren Motor zu suchen. Dieser sollte ca.  100 PS haben.
Zwecks einfacher Wartung jedoch ohne Turbo und sonstigen Schnick-Schnacks.
Unsere Wahl fällt  auf einen  marinisierten Kubota Motor mit 90 PS.
 Wir sind froh, ihn noch einbauen zu können, bevor die Schreinerarbeiten in der Küche und Nasszelle losgehen. Und dann kommt die erste Probefahrt – macht Spass – Motor läuft prächtig. Wenn wir die Witch dann wieder einmal aus dem Wasser nehmen, werden wir einen grösseren Propeller anbringen müssen, sodass noch mehr Druck aufs Ruder kommt.Der Ausbau geht weiter. Die Bugkabine wird bewohnbar.
Und auch die restlichen Räumlichkeiten nehmen so langsam Gestalt an. Auch alle Wasser- so wie Elektroleitungen sind verlegt.

2012 - Der Innenausbau ist nun so weit fertig. Endlich keine Holz-Arbeiten mehr.....
(dachten meine Eigner)

Jedenfalls ging es vorwärts und so durfte ich im Mai 2013 das erste mal im Salzwasser schwimmen.
( siehe mein Logbuch )