04.12.2018 21:10

Nun kann ich Euch weiter berichten.

Wir waren ja im Hafen von El Jadida hängen

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geblieben. Eigentlich eine Zumutung von meinen Besitzern, mich in diesem Schmutzwasser stehen zu lassen. Doch das war allemal sicherer als in den 4 - 5 Meter hohen Wellen draussen auf dem Atlantik zu sein.
Der Ankergrund in dem Hafenbecken besteht leider nur aus Schlick und entsorgter Altware. Von Fischernetz, Leinen, Plastiksäcke über alte Klamotten war eigentlich alles am Anker. Dass da der Anker nicht halten konnte, war ja klar. So reichte es schon, dass das Gezeitenströmung an meinem langen Kiel vorbeifloss und mich so jedes Mal Richtung Hafenausfahrt oder Richtung Hafenmauer mitnahm. Nach mehrmaligem neuem Ankern mit zwei Ankern, war unser Deutscher Leidensgenosse so nett und wir durften bei ihm im Päckchen anmachen.
Hatte sich doch sein Anker an irgendeiner Leine, die ausnahmsweise mal fest war, verfangen. Und so konnte meine Crew doch wieder zwei Nächte ruhig schlafen. Auch konnten die Zwei jetzt endlich mal an Land rudern und das Städtchen besichtigen. Nicht ohne vorher natürlich beim Hafenwächter um Öffnen der Türe zu bitten. Die schöne Altstadt und ihre freundlichen Leute mit kunterbuntem Markt entschädigte sie für vieles.
Jedoch zurück im Hafen ging es wieder los. Es gibt zwar Duschen dort, doch stammen die sicher noch aus dem 15. Jahrhundert und haben kein Warmwasser (das geht ja noch) aber auch keinen Duschkopf, also nur Wasserleitung direkt aus der Wand. Und gereinigt wurden sie wahrscheinlich das letzte mal im 14. Jahrhundert. Auch war das der einzige Ort, um mit 5-Literflaschen Wasser an Bord zu holen. Das beste ab war, dass die Hafenbehörde das Wasser ganz abstellte. Und für diesen, zwar sicheren aber sehr ungarstlichen Platz vor slippendem Anker ohne Strom, Wasser oder sonst was mussten wir pro Tag noch etwas über Euro 25 bezahlen. Jedenfalls eine Reiseerfahrung mehr. Die Unterschiede von Europa und Afrika sind halt zum Teil doch sehr frappant.
Jedenfalls ging es dann nach 7 Tagen endlich weiter und meine Besitzer holten ein letztes Mal die zwei Anker hoch. Nicht ohne mich am Bug so was von schmutzig und schwarz zu machen. Draussen auf dem Atlantik ging es vorbei an der Afrikanischen Küste Richtung Agadir.
Auf der Höhe von Essaouira entschlossen sich meine Zwei, die Küste zu verlassen und direkten Kurs Richtung Lanzarote einzuschlagen. Dass sich auf dieser Strecke natürlich das Wetter nicht an die Vorhersage hielt, war ja eigentlich klar. So war über Starkregen, Sonnenschein, Flachwasser, hohe Wellen so wie auch Vollmond alles enthalten. Kein Problem für mich, doch meine Crew kämpfte teilweise mit den Bedingungen. Und nachts um 01:30 Uhr bei starkem Wellengang und mit Taschenlampen-Licht Hydraulik-Oel für meine Steueranlage nachzufüllen, war für sie auch nicht gerade aufbauend.
Doch schlussendlich erreichten wir gesund und wohlbehalten den Hafen von Arrecife.
Und hier darf ich mich nun die nächste Zeit etwas von der anstrengenden aber doch interessanten Reise erholen.
Ich geniesse diesen schönen Ort und lasse mich nun endlich wieder mit viel Süsswasser duschen.
Tags: jahr 2018